Anregungen und Tipps für Aktionen vor Ort

Ideen für Aktionen vor Ort von A bis Z
[wird noch vervollständigt und erweitert]

Die nachfolgenden Aktionsideen haben in der Regel das Ziel, Aufmerksamkeit zu erzeugen und/oder ein gutes Motiv für ein Pressefoto zu liefern. Je nach den örtlichen Verhältnissen kann es zudem ein konkretes Ziel sein, mit den Jobcenter-Verantwortlichen einen Termin auszuhandeln, um die Missstände besprechen zu wollen.

Manifest der Selbstverständlichkeiten

Wenn wir Respekt und einen freundlichen Umgangston einfordert, Eingangsbestätigungen oder Soforthilfe in akuten Notfällen, dann sind dies Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten – und in anderen Ämtern oft schon selbstverständlich sind. Ein Manifest der Selbstverständlichkeiten, bestehend aus konkreten Forderungen, kann verlesen, übergeben oder – wie Martin Luthers Thesen – ans Jobcenter „angeschlagen“ werden.

Tipp: Wir empfehlen diese Aktion am Aktionstag am 2. Oktober zu machen (ggf. ergänzt um andere Aktions-Elemente). Denn die Aktion verbindet und betont das Gemeinsame der örtlichen Aktivitäten: Den gemeinsamen Kampf um mehr Respekt, Würde und mehr Rechte.

Ein weiterer Vorteil dieser Aktionsform ist, dass wir bereits erkämpfte Fortschritte sichtbar machen können: Durchgesetzte Forderungen werden „abgehakt“ und im Internet dokumentiert[2].

„Rechtsfreien Raum“ als Staatsgrenze darstellen:
„Sie verlassen den rechtsstaatlichen Sektor“

Der Übergang in den „rechtsfreien Raum Jobcenter“ wird als Grenzanlage dargestellt: Etwa mit einer Mauer aus Umzugskartons, Absperrband und oder einem Schlagbaum (aus dem Pappkern einer Teppichrolle). Vor der „Grenze“ stehen viele Warnhinweise in Form von Transparenten, Schildern, Plakataufstellern oder auf den Boden aufgemalt: „Vorsicht: Sie verlassen den rechtstaatlichen Sektor!“ oder „Vorsicht Falle“ oder „Vorsicht Rechtsbruch!“ oder Ähnliches. In kurzen Reden über Megaphon und/oder einem Flugblatt können Missstände beschrieben und als Beleg für den „Rechtsbruch“ der hohe Anteil erfolgreicher Widersprüche und Klagen genannt werden (zur Recherche der lokalen Zahlen siehe unter Tipps zur Pressearbeit auf Seite X).

Die Aktion kann auch statt vor dem Jobcenter in der Fußgängerzone oder auf belebten Plätzen durchgeführt werden. Dann sollte das Gebäude des Jobcenters als Papphaus (aus Kartons) zusätzlich dargestellt werden.

Planschbecken als Hingucker

Ein (oder mehrere) mit Wasser gefüllte Planschbecken werden in der Fußgängerzone/an belebten Plätzen aufgestellt. Sie dienen als Hingucker und Störer und schaffen Aufmerksamkeit. Die Erfahrung zeigt, dass oft zunächst Kinder und dann ihre Eltern stehen bleiben und sich für die Inhalte im Becken interessieren. Im Becken schwimmen kurze, gut lesbare und laminierte Textbotschaften.

Eine ausführliche Beschreibung findet sich im Anhang.

Schmalzstullen verteilen:
„Jobcenter: Hier kriegen Sie Ihr Fett weg“

Damit eine Flugblattverteilaktion „nicht zu trocken“ daherkommt, werden zusätzlich Schmalzbrote verteilt, um Aufmerksamkeit zu schaffen. Ein Transparent informiert: „Jobcenter: Hier kriegen Sie Ihr Fett weg“. Alternativ kann (an kalten Herbsttagen) auch „heißer Tee gegen soziale Kälte“ ausgeschenkt werden oder (halbe) Bratwürste angeboten werden („Jobcenter: Hier geht’s um die Wurst!“)

Würde und Recht ins Amt tragen

„Würde“ und „Recht“ werden symbolisch in großen Kisten ins Jobcenter getragen, da sie dort fehlen. Große Kisten organisieren bzw. basteln. Z.B. können mehrere Umzugskartons (mit doppelseitigem Klebeband) zusammengeklebt werden und Dachlatten (ähnlich einer Sänfte) als Tragegriffe dienen. Je größer die Kisten, desto auffälliger. Aber sie sollten noch durch die Eingangstür passen. Die Kisten bekleben/bemalen mit Begriffen wie „Recht“, „Würde“, oder „Respekt“. Im Jobcenter sollen die Kisten der Geschäftsführung übergeben werden. In einer kurzen Rede werden die Missstände im Jobcenter benannt.

Misthaufen als Blickfang:
„Missstände im Jobcenter stinken zum Himmel!“

Ein großer Misthaufen wird vor dem Jobcenter abgekippt. Der Misthaufen steht sinnbildlich für die Missstände im Jobcenter. Recherchieren, ob man von einem Bauern eine Ladung Mist bekommen kann. Transport zum Jobcenter klären. Transparent malen („Missstände im Jobcenter stinken zum Himmel“). Vorm Abkippen des Mistes eine Abdeckplane unterlegen. Das erleichtert die Aufräumarbeiten. Flugblätter verteilen. Ggf. zusätzlich kurze Redebeiträge über Megaphon (Beschreibung der Missstände, konkrete Forderungen).

Künstlerisches DENK-MAL übergeben

Der Jobcenterleitung wird ein Kunstwerk zur „Verschönerung“ des Eingangsbereichs übergeben. Es soll daran erinnern, dass Behörden von sich aus rechtskonform zu handeln haben – und nicht erst, wenn ein Sozialgericht sie dazu zwingt. So kann etwa der Schriftzug „DENK-MAL: Das Jobcenter ist an Recht und Gesetz gebunden. (nach § 20 Abs. 3 GG)“ künstlerisch gestaltet (z.B. Linoldruck), gerahmt und übergeben werden. Oftmals finden sich in Erwerbslosengruppen Leute, die eine künstlerische Begabung haben. Oder jemand kennt jemanden, der das kann.

 

Tipps zur Pressearbeit 

Um Druck für Veränderungen in den Jobcentern aufzubauen, ist es wichtig, dass die örtliche Presse über unsere Aktivitäten berichtet und unsere Kritik einer breiteren Öffentlichkeit bekannt macht. Mit einem guten Presseartikel erreichen wir deutlich mehr Menschen als mit einer Aktion in der Fußgängerzone. Daher sollten öffentlichkeitswirksame Aktionen auch nicht als Selbstzweck durchgeführt werden, sondern als Mittel, um in die Presse zu kommen. Die Aktionen sollten so geplant werden, dass sie ein gutes Motiv für ein Pressefoto bieten.

Zudem sind die verantwortlichen PolitikerInnen vor Ort und die Geschäftsführungen der Jobcenter druckempfindlich: Sie mögen nichts Schlechtes über sich in der Zeitung lesen.

Es lohnt also, Mühe auf eine gute Pressearbeit zu legen. Deshalb hat die KOS eine Arbeitshilfe zur Pressearbeit herausgegeben. Die enthält viele praktische Tipps, vor allem dazu, wie man eine gute Pressemitteilung schreibt. Die Arbeitshilfe kann hier abgerufen werden:

http://www.erwerbslos.de/presse.html

 

Anlässe für Pressearbeit zu unserer Kampagne können beispielsweise sein:

  • Konkrete Beispielfälle aus der Beratungspraxis, die die Missstände in den Jobcentern anschaulich belegen (ohne Zustimmung der Betroffenen natürlich nur anonymisiert)
  • Die Anzahl von Widersprüchen und Klagen und deren Erfolg bezogen auf das örtliche Jobcenter. Diese Zahlen werden von der Bundesagentur für Arbeit für jedes Jobcenter veröffentlicht[3].

Sie sind im Netz abrufbar unter:

http://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Themen/Grundsicherung-fuer-Arbeitsuchende-SGBII/Widersprueche-und-Klagen/Widersprueche-und-Klagen-Nav.html

 

  • Öffentlichkeitswirksame Aktionen

 

[1] Die Ideen wurden auf der KOS-Tagung vom 1. bis 13. Juni in Lage-Hörste entwickelt.

[2] Eine eigene Internetseite zur Kampagne ist zurzeit in Vorbereitung.

[3] Leider wird dabei der Ausgang der Verfahren nur für die Widersprüche angegeben. Der Ausgang der Klagen wird auf örtlicher Ebene – angeblich aus Datenschutzgründen – nicht veröffentlicht.

ANHANG
Planschbeckenaktion

Ein, mit Wasser gefülltes Planschbecken wird an einem belebten Platz aufgestellt. Meeresfiguren, wie Kraken, Fische, Muscheln werden, mit Forderungen und Aussagen beschriftet darin versenkt. Man kann diese auch noch mit kleinen Magneten versehen und Angeln mit Magneten am Ende verteilen. Dieses erhöht noch die Aufmerksamkeit der Passanten und dient als Anreiz mitzumachen, die Teile zu Angeln. Kleine Preise könnten als Belohnung dienen, wenn zu den geangelten Forderungen gestellten Fragen beantwortet werden oder dazu Wünsche geäußert werden.

Materialien:

Ein handelsübliches Planschbecken (stabil sollte es schon sein), Tonpapier, bunte Lackstifte und eine Schere zum Beschriften und zum Figuren ausschneiden, ein Laminier-Gerät zum Einlaminieren der Figuren, kleine Magnete und doppelseitiges Klebeband oder Klebepads zum Befestigen. Holzstäbe und Band für die Angeln. Einen langen Gartenschlauch, den man an einem Wasserzulauf anschließen kann (ggf. in einem in der Nähe befindlichen Geschäft, Cafe, Institution etc.). Eine Auswahl an kleinen Preisen (aus Sponsoring oder Werbeartikel der eigenen Organisation).

Preis ca. 50,00 – 60,00 € (je nachdem ob man ein Laminiergerät zur Verfügung hat).

Zeitfaktor zur Vorbereitung: Etwa 6 Stunden gesamt, die man auf die vorbereitende Personenzahl aufteilen kann.

Personen 2 – 4 zur Aufsicht, zum Stellen der Fragen und zur Preisverteilung.

Entenregatta

Sie funktioniert ähnlich wie die Planschbeckenaktion, ist sowohl im Planschbecken als auch in einem kleinen Teich oder Springbrunnen machbar. Mit wasserfesten Stiften werden hier Plastik-Enten beschriftet und zu Wasser gelassen. Mit Pappen oder Fächer kann dann Wind erzeugt werden und man kann so die Enten um die Wette schwimmen lassen (ein Mal um die Runde). Dem Sieger winkt ein Preis.

Materialien:

Plastik-Enten in genügender Anzahl, wasserfeste Stifte, ggf. Planschbecken, Din A 4 Pappen oder handelsübliche bzw. ein Eigenarbeit hergestellte Fächer, Auswahl an Preisen.

 

Preis: Ähnlich wie oben, je nach Menge der Enten.

Zeitfaktor: Äußerst gering. Dadurch für Spontanaktionen geeignet.

Personen: Wie oben

Vorschläge der ELO-Oldenburg/Umland, 17.06.2014, Gwendolyn Suhr